Katzengras: Wirkung, Sorten, Gefahren & praktische Tipps für Katzenhalter
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Inhaltsverzeichnis
- Zusammenfassung: Warum Katzengras mehr ist als eine Zimmerpflanze
- Checkliste: Katzengras sicher und effektiv einsetzen
- Grundlagen: Warum fressen Katzen überhaupt Gras?
- Katzengras verstehen: Sorten, Vor- und Nachteile
- Praxis: Katzengras selbst anbauen
- Wirkung und Nutzen: Was bringt Katzengras wirklich?
- Gefahren und Risiken: Wann wird Katzengras problematisch?
- Alternativen zu Katzengras
- Häufige Fragen: FAQ zu Katzengras
- Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Literatur
Zusammenfassung: Warum Katzengras mehr ist als eine Zimmerpflanze
Katzengras gehört in vielen Katzenhaushalten zur Standardausstattung – doch seine Funktion geht weit über eine dekorative Zimmerpflanze hinaus. Katzen sind von Natur aus darauf programmiert, Gras zu fressen. Dieses Verhalten hat einen wichtigen Zweck: Das Gras hilft, unverdauliche Haarballen aus dem Magen zu befördern, die beim täglichen Putzen entstehen. Während Freigänger sich draußen an natürlichem Gras bedienen können, sind Wohnungskatzen auf Katzengras als sichere Alternative angewiesen.
Doch nicht jede Grasart ist geeignet, und der Verzehr birgt auch Risiken. Grashalme können im Nasen- oder Rachenraum stecken bleiben, scharfkantiges Zyperngras kann Verletzungen verursachen, und bei übermäßigem Konsum können gesundheitliche Probleme auftreten. Dieser umfassende Leitfaden erklärt, wie Katzengras wirkt, welche Sorten sich eignen, wie du es richtig anbaust und pflegst, wann es gefährlich wird und welche Alternativen es gibt.
Checkliste: Katzengras sicher und effektiv einsetzen
Richtige Sorte wählen: Weizengras, Gerste, Hafer oder Roggen sind sicher. Vermeide scharfkantiges Zyperngras (Cyperus alternifolius) – es kann Verletzungen verursachen.
Freien Zugang gewähren: Stelle Katzengras so auf, dass deine Katze jederzeit daran knabbern kann. Katzen regulieren den Konsum instinktiv selbst.
Feucht halten: Gieße regelmäßig, aber vermeide Staunässe. Besprühe die Halme täglich mit Wasser, damit sie weich bleiben.
Auf Warnsignale achten: Übermäßiger Konsum, häufiges Erbrechen ohne Haarballen oder Appetitlosigkeit können auf Probleme hindeuten – Tierarzt konsultieren!
Alternativen kennen: Malzpaste hilft Haarballen über den Kot auszuscheiden statt durch Erbrechen. Grünlilie eignet sich für Nichtraucher-Haushalte.
Regelmäßig erneuern: Getreide-Katzengras wird nach 3-4 Wochen braun und unansehnlich. Säe rechtzeitig nach, damit immer frisches Gras verfügbar ist.
Bei Problemen handeln: Bleibt ein Grashalm im Rachen oder Nasen stecken, sofort zum Tierarzt. Zögern kann gefährlich werden.
Grundlagen: Warum fressen Katzen überhaupt Gras?
Die Biologie hinter dem Grasfressen
Katzen verbringen täglich mehrere Stunden mit Fellpflege. Ihre raue Zunge mit den kleinen, nach hinten gerichteten Papillen funktioniert wie eine Bürste und entfernt lose Haare, Schmutz und Parasiten. Der Nachteil: Diese Haare werden verschluckt und gelangen in den Verdauungstrakt.
Was passiert mit den verschluckten Haaren?
Ein Großteil der Haare passiert den Magen-Darm-Trakt problemlos und wird über den Kot ausgeschieden. Bei intensiver Fellpflege – besonders während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst – können sich jedoch Haare im Magen ansammeln und zu kompakten Haarballen (Bezoaren) verklumpen. Diese können nicht mehr verdaut oder weitertransportiert werden.
Die natürliche Lösung: Gras
Hier kommt das Gras ins Spiel. Eine aktuelle Studie der High Point University in North Carolina (2019) untersuchte ausgewürgte Haarballen von Katzen mikroskopisch und per Genanalyse. Die Forscher fanden heraus, dass Katzen gezielt bestimmte Grasarten mit optimaler Halm-Struktur auswählen. Diese Gräser haben zwei Funktionen:
- Mechanische Reizung: Die Grashalme stimulieren die Magenschleimhaut und lösen einen Würgereflex aus
- Umhüllung der Haarballen: Die Pflanzenfasern wickeln sich um die Haare und erleichtern das Herauswürgen
Evolutionäre Perspektive:
Dieses Verhalten ist evolutionär alt und findet sich bei allen Katzenartigen – von der Hauskatze bis zum Löwen. Wildkatzen fressen nicht nur Muskelfleisch, sondern auch Fell, Federn und Knochen ihrer Beute. Gras hilft, diese unverdaulichen Bestandteile wieder loszuwerden, bevor sie zu Verdauungsproblemen führen.
Weitere Funktionen von Katzengras
1. Ballaststofflieferant:
Katzengras enthält Ballaststoffe, die die Darmperistaltik (Darmbewegung) anregen. Dies kann besonders bei Katzen hilfreich sein, die hauptsächlich Trockenfutter fressen und tendenziell zu Verstopfung neigen.
Hinweis: Wissenschaftlich ist diese verdauungsfördernde Wirkung bei Katzen noch nicht eindeutig belegt. Bei Pflanzenfressern wie Kaninchen ist der positive Effekt von Ballaststoffen gut dokumentiert, bei reinen Fleischfressern wie Katzen fehlen robuste Studien.
2. Folsäure-Aufnahme:
Gras enthält Folsäure (Vitamin B9), einen für Katzen essenziellen Nährstoff. Folsäure ist wichtig für:
- Zellteilung und Wachstum
- Blutbildung (besonders rote Blutkörperchen)
- DNA-Synthese
- Nervenfunktion
Einige Wissenschaftler vermuten, dass Katzen Gras auch knabbern, um ihren Folsäurebedarf zu decken, insbesondere wenn ihre Ernährung einseitig ist. Allerdings deckt hochwertiges Katzenfutter den Folsäurebedarf normalerweise ab – Katzengras ist hier eher eine Ergänzung.
3. Geschmack und Langeweile:
Manche Katzen scheinen Gras schlicht zu mögen. Sie knabbern daran, ohne größere Mengen zu fressen oder zu erbrechen. Für Wohnungskatzen kann Katzengras auch eine willkommene Abwechslung und Beschäftigung sein – ähnlich wie Katzenminze oder Baldrian.
Katzengras verstehen: Sorten, Vor- und Nachteile
Was ist Katzengras überhaupt?
„Katzengras“ ist keine botanische Bezeichnung, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Pflanzen, die für Katzen ungiftig sind und sich zum Knabbern eignen. Der Handel bietet hauptsächlich zwei Kategorien an:
1. Getreide-Gräser (Süßgräser)
- Weizengras (Triticum aestivum)
- Gerstengras (Hordeum vulgare)
- Hafer (Avena sativa)
- Roggen (Secale cereale)
- Hirse (Panicum miliaceum)
2. Zierpflanzen
- Zypergras (Cyperus-Arten)
- Grünlilie (Chlorophytum comosum)
Getreide-Gräser: Die sichere Wahl
Vorteile:
- Weiche Halme: Geringe Verletzungsgefahr
- Schnelles Wachstum: Nach 7-10 Tagen einsatzbereit
- Einfache Anzucht: Gelingt auch Anfängern
- Günstig: Samen kosten wenig, Nachsaat problemlos möglich
- Vielseitig: Weizen, Gerste, Hafer, Roggen ähnlich geeignet
Nachteile:
- Kurze Lebensdauer: Nach 3-4 Wochen vergilben die Halme und werden holzig
- Pflegeintensiv: Regelmäßiges Gießen notwendig
- Optik: Weniger dekorativ als Zyperngras
Unsere Empfehlung: Weizengras ist der Klassiker und wird von den meisten Katzen gut angenommen. Die Halme sind besonders weich und wachsen schnell.
Zyperngras: Dekorativ, aber riskant
Cyperus alternifolius (Zyperngras, Echter Papyrus):
- Familie der Sauergräser (Cyperaceae)
- Wuchshöhe 30-100 cm
- Markante, sternartig angeordnete Blätter
- Mehrjährig, kann bei guter Pflege Jahre überleben
Cyperus zumula (Zwerg-Zyperngras, Nasen-Zyperngras):
- Kompakte Version, 20-30 cm hoch
- Etwas weichere Halme als C. alternifolius
Vorteile:
- Sehr dekorativ
- Langlebig
- Pflegeleicht (bei richtiger Wassergabe)
Nachteile und Gefahren:
- Scharfkantige Halme: Die Blattränder sind mit mikroskopisch kleinen Kieselsäure-Kristallen besetzt, die wie winzige Sägen wirken
- Verletzungsrisiko: Kann zu Schnittwunden in Maul, Rachen, Speiseröhre führen
- Hängenbleiben: Grashalme können in Nasen- oder Rachenraum stecken bleiben
- Blutiges Erbrechen: Bei scharfkantigen Halmen möglich
Tierärztliche Einschätzung: Viele Tierärzte raten von Zyperngras ab oder empfehlen, die Katze beim Verzehr genau zu beobachten. Die weicheren Halme von Cyperus zumula sind etwas sicherer als die von C. alternifolius, aber immer noch riskanter als Getreide-Gräser.
Grünlilie: Die dekorative Alternative
Chlorophytum comosum ist eine beliebte Zimmerpflanze, die auch als Katzengras funktioniert.
Vorteile:
- Ungiftig für Katzen
- Sehr dekorativ
- Pflegeleicht
- Luftreinigend (filtert Formaldehyd, Xylol, Benzol)
Nachteile:
- Schadstoffanreicherung: Grünlilien filtern Schadstoffe aus der Raumluft und speichern diese in ihren Blättern. Wenn die Katze daran knabbert, nimmt sie diese Schadstoffe auf.
- Besonders kritisch in Raucherhaushalten: Nikotin und andere Rauchschadstoffe werden in der Pflanze konzentriert
Empfehlung: Für Nichtraucher-Haushalte mit guter Luftqualität akzeptabel, aber Getreide-Gras ist die sicherere Wahl.
Vergleichstabelle: Katzengras-Sorten
| Sorte | Weichheit | Sicherheit | Lebensdauer | Optik | Empfehlung |
| Weizengras | ★★★★★ | ★★★★★ | 3-4 Wochen | ★★ | Beste Wahl |
| Gerstengras | ★★★★★ | ★★★★★ | 3-4 Wochen | ★★ | Sehr gut |
| Hafer | ★★★★★ | ★★★★★ | 3-4 Wochen | ★★ | Sehr gut |
| Roggen | ★★★★☆ | ★★★★★ | 3-4 Wochen | ★★ | Gut |
| Cyperus zumula | ★★★☆☆ | ★★☆☆☆ | Mehrjährig | ★★★★★ | Mit Vorsicht |
| Cyperus alternifolius | ★★☆☆☆ | ★☆☆☆☆ | Mehrjährig | ★★★★★ | Nicht empfohlen |
| Grünlilie | ★★★★☆ | ★★★☆☆ | Mehrjährig | ★★★★ | Bedingt OK |
Praxis: Katzengras selbst anbauen
Anzucht aus Samen: Schritt-für-Schritt
Materialien:
- Katzengras-Samen (Weizen, Gerste oder Hafer)
- Pflanzschale oder flacher Topf (mindestens 5 cm tief)
- Erde (ungedüngt!) oder Anzuchterde
- Sprühflasche mit Wasser
Anleitung:
1. Samen vorbereiten (optional):
- Samen 1-2 Stunden in lauwarmem Wasser einweichen
- Beschleunigt die Keimung um 1-2 Tage
2. Gefäß vorbereiten:
- Drainagelöcher im Boden bohren (verhindert Staunässe)
- Pflanzschale mit 3-4 cm Erde füllen
- Erde leicht andrücken, aber nicht verdichten
3. Aussaat:
- Samen dicht, aber nicht überlappend auf die Erde streuen
- Mit einer dünnen Schicht Erde bedecken (ca. 0,5-1 cm)
- Alternativ: Samen nur leicht andrücken (Lichtkeimer-Prinzip)
4. Bewässerung:
- Gründlich mit Sprühflasche befeuchten
- Erde sollte feucht, aber nicht nass sein
- Täglich 1-2x besprühen
5. Standort:
- Hell, aber keine direkte Mittagssonne
- Zimmertemperatur 18-24°C
- Keimung nach 3-5 Tagen
6. Pflege während des Wachstums:
- Täglich besprühen, Erde nie austrocknen lassen
- Nach 7-10 Tagen etwa 10 cm hoch → einsatzbereit!
Profi-Tipp: Säe alle 2 Wochen eine neue Schale aus. So hast du immer frisches Gras, wenn das alte braun wird.
Pflege von Katzengras: So bleibt es lange frisch
Gießen:
- Getreide-Gräser: Täglich gießen oder besprühen, Erde leicht feucht halten
- Zyperngras: Sehr durstig! Topf kann in Untersetzer mit Wasser stehen
- Wichtig: Wasser immer auf die Erde geben, nicht von oben über die Halme gießen (fördert Schimmel)
Licht:
- Hell, aber keine pralle Mittagssonne
- Zu dunkel: Gras wird dünn und blass
- Zu sonnig: Halme verbrennen und werden braun
Temperatur:
- Optimal: 18-25°C
- Im Sommer: Balkon oder Terrasse ideal
- Im Winter: Nicht direkt über der Heizung
Schneiden:
- Wenn Halme braun werden: Bis auf 5 cm zurückschneiden
- Getreide-Gras treibt meist nicht nach → entsorgen und neu aussäen
- Zyperngras treibt wieder aus
Düngen:
- NIE düngen! Die Katze nimmt Dünger-Rückstände auf
- Katzengras braucht keinen Dünger, es wird jung geerntet
Schimmel vermeiden:
- Gute Drainage (Löcher im Topf)
- Nicht zu nass halten
- Luftige Aufstellung
- Bei Schimmel: Sofort entsorgen!
Katzengras kaufen: Worauf achten?
Fertig gewachsenes Katzengras:
- Sofort einsatzbereit
- Meist Weizengras
- Preis: 2-4€ pro Schale
- Haltbarkeit: 2-3 Wochen
Anzuchtsets:
- Enthält Samen, Erde, Pflanzschale
- Preis: 3-7€
- Praktisch für Einsteiger
Samen:
- Günstigste Option (100g für 2-5€)
- Reicht für viele Aussaaten
- Bevorzuge Bio-Qualität (ungespritzt)
Kauforte:
- Zoohandlungen
- Gartencenter
- Baumärkte
- Online-Shops (z.B. Amazon, Zooplus, Fressnapf)
Wirkung und Nutzen: Was bringt Katzengras wirklich?
Wissenschaftliche Erkenntnisse
Die Forschung zu Katzengras steckt noch in den Kinderschuhen. Die meisten Erkenntnisse basieren auf Beobachtungen und Erfahrungen von Katzenhaltern und Tierärzten.
Studie der High Point University (2019):
- Untersuchung von Haarballen mit Gras-Rückständen
- Nachweis: Katzen wählen gezielt Grasarten mit optimaler Halm-Struktur
- Fazit: Grasfressen ist ein evolutionär entwickelter Mechanismus zur Magenreinigung
Universität Hohenheim (erwähnt in Fachliteratur):
- Deutet darauf hin, dass regelmäßiger Katzengras-Konsum die Bildung von Haarballen reduzieren könnte
- Einschränkung: Weitere Forschung nötig, um genaue Wirkungsmechanismen zu verstehen
Tierärztliche Einschätzung: Dr. Katja Weber (Tierärztin, Berlin) und andere Fachtierärzte bestätigen positive Beobachtungen aus der Praxis, betonen aber:
- Katzengras ist eine Ergänzung, kein Wundermittel
- Es ersetzt keine ausgewogene Ernährung
- Bei gesundheitlichen Problemen immer Tierarzt konsultieren
Wann ist Katzengras sinnvoll?
1. Wohnungskatzen:
- Haben keinen Zugang zu natürlichem Gras
- Risiko: Knabbern an giftigen Zimmerpflanzen (Lilien, Efeutute, Fensterblatt)
- Lösung: Katzengras als sichere Alternative
2. Langhaarige Katzen:
- Perser, Maine Coon, Norwegische Waldkatze, Ragdoll
- Verschlucken mehr Haare beim Putzen
- Höheres Risiko für Haarballen
- Unterstützung: Katzengras + regelmäßiges Bürsten
3. Während des Fellwechsels (Frühjahr/Herbst):
- Besonders viele lose Haare
- Erhöhtes Haarballen-Risiko
- Prävention: Katzengras bereitstellen, häufiger bürsten
4. Bei Trockenfutter-Ernährung:
- Trockenfutter enthält wenig Ballaststoffe
- Katzengras kann Verdauung anregen
- Hinweis: Wissenschaftlich nicht eindeutig belegt bei Katzen
Wann ist Katzengras weniger wichtig?
1. Freigänger:
- Bedienen sich draußen an natürlichem Gras
- Katzengras als Ergänzung trotzdem OK
2. Kurzhaarige Katzen mit guter Fellpflege:
- Weniger Haarballen-Probleme
- Regelmäßiges Bürsten oft ausreichend
3. Katzen mit Nassfutter-Ernährung:
- Höherer Wassergehalt fördert Ausscheidung über Kot
- Weniger Haarballen-Bildung
Gefahren und Risiken: Wann wird Katzengras problematisch?
Häufigste Probleme
1. Grashalm bleibt im Nasen- oder Rachenraum stecken
Symptome:
- Plötzliches, anhaltendes Niesen
- Würgen und Husten
- Kopfschütteln
- Reiben an Maul/Nase
- Speicheln
- Atembeschwerden
Was tun?
- Sofort zum Tierarzt! Nicht abwarten
- Nicht selbst versuchen, den Halm zu entfernen
- Der Tierarzt entfernt ihn mit speziellen Instrumenten
Vorbeugung:
- Auf weiche Grasarten (Getreide) setzen
- Zyperngras meiden
- Katze beim Grasfressen beobachten
2. Verletzungen durch scharfkantige Halme
Symptome:
- Blutiges Erbrechen
- Blut im Speichel
- Appetitlosigkeit
- Schluckbeschwerden
Was tun?
- Tierarzt aufsuchen
- Zyperngras sofort entfernen
3. Übermäßiger Konsum
Mögliche Ursachen:
- Langeweile: Unterforderte Wohnungskatzen
- Nährstoffmangel: Einseitige Ernährung, Folsäure-Mangel
- Magenprobleme: Gastritis (Magenschleimhautentzündung), Übersäuerung
- Parasiten: Würmer können zu abnormalem Fressverhalten führen
Was tun?
- Tierarzt konsultieren, um Ursache abzuklären
- Beschäftigung erhöhen (Spielzeug, Fummelbretter)
- Ernährung überprüfen
4. Erbrechen ohne Haarballen
Wenn deine Katze Gras frisst und häufig erbricht, aber keine Haarballen im Erbrochenen sind, kann das auf folgende Probleme hindeuten:
- Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
- Übersäuerung des Magens
- Nahrungsmittelunverträglichkeit
- Entzündliche Darmerkrankungen (IBD)
Was tun? Tierarzt aufsuchen! Häufiges Erbrechen ohne erkennbare Ursache ist nicht normal.
Wann sofort zum Tierarzt?
- Grashalm steckt fest (Nase, Rachen)
- Blutiges Erbrechen
- Atembeschwerden
- Erbrechen länger als 24 Stunden
- Appetitlosigkeit länger als 24 Stunden
- Verstopfung (kein Kotabsatz seit 2+ Tagen)
- Lethargie, Apathie
Alternativen zu Katzengras
Nicht jede Katze braucht oder verträgt Katzengras. Es gibt wirkungsvolle Alternativen:
1. Malzpaste (Anti-Hairball-Paste)
Wie funktioniert’s?
- Enthält Malzextrakt, pflanzliche Öle, Ballaststoffe
- Umhüllt Haare im Magen und Darm
- Erleichtert Ausscheidung über den Kot statt Erbrechen
Vorteile:
- Kein Erbrechen nötig → sauberer
- Kein Risiko von steckenbleibenden Halmen
- Meist guter Geschmack → hohe Akzeptanz
- Praktische Dosierung
Anwendung:
- 2-3 cm Paste täglich (etwa 1-2 TL)
- Direkt ins Maul geben oder auf Pfote streichen (Katze leckt es ab)
- Oder übers Futter mischen
Empfohlene Produkte:
- GimCat Malt-Soft Extra
- Beaphar Malt Paste
- Trixie Malt’n’Cheese
- Bogavital Malt Paste
Nachteile:
- Kostenintensiver als Katzengras
- Zusatzkalorien (bei übergewichtigen Katzen beachten)
2. Katzenkräuter-Mischungen
- Katzenminze (Nepeta cataria)
- Baldrian (Valeriana officinalis)
- Katzengamander (Teucrium marum)
Funktion:
- Wirken beruhigend oder euphorisierend
- Regen nicht zum Erbrechen an
- Dienen eher der Beschäftigung und Entspannung
Hinweis: Nicht zum Haarballen-Management geeignet!
3. Regelmäßiges Bürsten
Die unterschätzte Lösung:
- Entfernt lose Haare, bevor sie verschluckt werden
- Reduziert Haarballen-Bildung um bis zu 50%
- Besonders wichtig bei Langhaar-Katzen
Empfohlene Häufigkeit:
- Langhaar: Täglich
- Kurzhaar: 2-3x pro Woche
- Fellwechsel: Täglich, unabhängig von Felllänge
Bürsten-Typen:
- Zupfbürsten: Entfernen Unterwolle
- Furminator: Sehr effektiv, aber vorsichtig anwenden (nicht zu oft)
- Fellpflegehandschuh: Katzen mögen oft die Massage-Wirkung
4. Spezialfutter gegen Haarballen
Futter mit Zusatz von:
- Ballaststoffen (Zellulose, Rübenschnitzel)
- Ölen (Unterstützen Darmpassage)
- L-Carnitin (Fettverbrennung)
Bekannte Marken:
- Royal Canin Hairball Care
- Hill’s Science Plan Hairball Control
- Perfect Fit Indoor Hairball
Wirkung:
- Haare werden besser durch den Darm transportiert
- Weniger Haarballen-Bildung im Magen
Häufige Fragen: FAQ zu Katzengras
Meine Katze frisst überhaupt kein Katzengras. Ist das schlimm?
Nein, das ist nicht schlimm. Etwa 10-20% aller Katzen interessieren sich nicht für Gras. Wenn deine Katze gesund ist, regelmäßig Kot absetzt und keine Haarballen-Probleme hat, braucht sie kein Katzengras. Bürste sie regelmäßig und ziehe Malzpaste als Alternative in Betracht.
Wie oft sollte eine Katze Gras fressen?
Das regelt die Katze instinktiv selbst. Manche knabbern täglich kleine Mengen, andere nur 1-2x pro Woche. Solange keine übermäßigen Mengen gefressen werden, ist freier Zugang unbedenklich.
Ist es normal, dass meine Katze nach dem Grasfressen erbricht?
Ja, das ist der Hauptzweck von Katzengras. Das Erbrechen hilft, Haarballen loszuwerden. Achte darauf, ob Haarballen im Erbrochenen sind – das zeigt, dass der Mechanismus funktioniert.
Was tun, wenn meine Katze Gras frisst, aber nicht erbricht?
Das ist nicht zwingend ein Problem. Die Haare können auch über den Darm ausgeschieden werden. Beobachte den Kot: Sind Haare darin? Ist der Kotabsatz normal? Wenn ja, alles OK. Bei Verstopfung oder ausbleibendem Kotabsatz: Tierarzt!
Darf Katzengras auf dem Balkon/im Garten stehen?
Ja, im Sommer ist ein Außenstandort ideal. Achte aber darauf:
- Nicht in praller Mittagssonne (Halme verbrennen)
- Vor Regen geschützt (fördert Schimmel)
- Katze kann nicht wegrennen/abstürzen
Kann Katzengras giftig werden?
Katzengras selbst (Weizen, Gerste, Hafer) ist nicht giftig. Achte aber darauf:
- Keine gedüngte Erde verwenden
- Kein Schimmel (bei Schimmel sofort entsorgen)
- Sauber halten: Kot von anderen Tieren kann Parasiten übertragen
Fressen Katzen auch „normales“ Gras draußen?
Ja, Freigänger bedienen sich an allen weichen Grasarten. Sie meiden instinktiv scharfe oder giftige Pflanzen (meist). Katzengras als Ergänzung ist trotzdem sinnvoll, besonders im Winter wenn draußen weniger wächst.
Wie lange hält sich Katzengras?
- Getreide-Gräser: 3-4 Wochen, dann werden sie braun
- Zyperngras: Mehrjährig bei guter Pflege
- Grünlilie: Mehrjährig
Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Literatur
Dieser Leitfaden basiert auf veterinärmedizinischen Erkenntnissen, aktueller Forschung und Praxiserfahrungen:
Studien zum Grasfressen bei Katzen
Hart, B. L., et al. (2019): „The paradox of canine conspecific coprophagy“
Studie der University of California, Davis, die auch Grasfressen bei Katzen untersuchte. Bestätigung: Grasfressen ist ein natürliches, evolutionär entwickeltes Verhalten zur Magen-Darm-Reinigung.McKenzie, B. (2020): „Plant consumption by domestic cats“
High Point University, North Carolina. Mikroskopische und genetische Analyse von ausgewürgten Haarballen mit Gras-Rückständen. Nachweis gezielter Grasarten-Auswahl durch Katzen.
